Listenstand: Herausgeberdatum und Importdatum unterscheiden
5. September 2026, aktualisiert 20. Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit · SanktionsRadar RedaktionEin Screening beschreibt einen konkreten Lauf gegen konkrete Daten. UN, OFAC SDN und die EU-Liste werden automatisch abgerufen. Bei EU wird das Herausgeberdatum getrennt vom Importdatum geführt; ein erneuter Import derselben Datei macht den Inhalt nicht jünger.
Ein Screening ist eine Aussage über einen Zeitpunkt. „Kein Treffer“ heißt: kein Treffer gegen diesen Listenstand, an diesem Tag. Ohne beides ist der Vermerk kein Nachweis, sondern eine Behauptung – und zwar genau in der Situation, in der er gebraucht wird: bei einer Prüfung, gegenüber der Bank, im Streit über ein Geschäft, das rückblickend anders aussieht. Dieser Beitrag ordnet, welche Listen wie aktuell werden und was deshalb in jeden Vermerk gehört.
Drei Quellen mit unterschiedlicher Datumsgrundlage
SanktionsRadar ruft die konsolidierte UN-Liste, die OFAC-SDN-Liste und die konsolidierte EU-Liste automatisch ab. Abgeglichen werden nur erfolgreich geladene Daten. Ein aktivierter Abruf ist noch kein Nachweis einer aktuellen oder vollständigen Datenbasis.
| Quelle | Datenstand für die Frische | Zusätzliche Anzeige |
|---|---|---|
| UN | Importdatum | Eintragszahl |
| OFAC SDN | Importdatum | Eintragszahl |
| EU | Herausgeberdatum der vollständigen Exportdatei | Importdatum, Veröffentlichungsdatum und Integritätsangabe |
Der EU-Abruf und der manuelle Ersatzweg prüfen den Export vor der Übernahme. Die Kommission aktualisiert ihre konsolidierte Liste bei Bedarf; ein täglicher Abruf garantiert daher nicht täglich neue Daten. Die amtlichen Rechtsakte bleiben maßgeblich.
Was ein Prüfvermerk trägt
Zu jedem Treffer entsteht ein Vermerk mit genau drei möglichen Ausgängen. Jeder verlangt eine Begründung, den Bearbeiter, den Zeitpunkt und den Listenstand des Laufs.
- Kein Treffer. Entlastet. Verlangt mindestens ein abweichendes Unterscheidungsmerkmal, sonst wäre die Entlastung ein Knopf.
- Weiterhin unklar. Das Geschäft hält an. Art. 2 Abs. 2 VO (EU) Nr. 269/2014 verbietet die unmittelbare und die mittelbare Bereitstellung.
- Treffer bestätigt. Das Geschäft hält an, der Vorgang wird nach den geltenden Regeln behandelt.
Verglichen werden sechs Unterscheidungsmerkmale: Geburtsdatum, Geburtsort, Staatsangehörigkeit, Anschrift und bei Unternehmen Sitz und Registernummer. Eine bloße Namensähnlichkeit belegt keine Identität, und sie widerlegt auch keine. Wie der Prüfweg im Einzelnen aussieht, steht in unserem Beitrag zum dokumentierten Prüfweg bei einem Treffer.
Warum das Datum die eigentliche Aussage ist
Listen ändern sich. Eine Person, die heute nicht gelistet ist, kann es in zwei Wochen sein, und umgekehrt. Ein Vermerk ohne Datum behauptet damit etwas über einen unbestimmten Zeitraum, und im Zweifel wird er so gelesen, wie es dem Leser passt.
Die EU-Datei stammt vom 15. Oktober und wird am 20. Oktober importiert. Der Quellen-Status zeigt den 15. Oktober als Herausgeberstand und den 20. Oktober als Importdatum. Die Daten sind dadurch nicht erst einen Tag alt.
Ein erneuter Import am Folgetag ändert den Herausgeberstand nicht. Für die EU-Alterswarnung zählt weiterhin der 15. Oktober. Die Schwellen von 7 und 30 Tagen sind Produkthinweise, keine gesetzlichen Freigabefristen.
Für die Wiederholung folgt daraus die zweite Frage: Wann wurde zuletzt geprüft, und was ist seither passiert? Ein Screening beim Neukunden ist etwas anderes als das wiederkehrende Screening im Bestand; unser Beitrag zu Häufigkeit und Re-Screening ordnet die Intervalle.
- Wer geprüft wurde Name, und bei Unternehmen die Merkmale, die eine Verwechslung ausschließen.
- Wogegen geprüft wurde Welche Quellen tatsächlich geladen waren und welcher Datenstand beim Lauf verwendet wurde.
- Wann geprüft wurde Zeitpunkt des Laufs und Stand der Listen zu diesem Zeitpunkt.
- Was herauskam Ergebnis mit Begründung und Bearbeiter, auch beim Ergebnis „kein Treffer“.
Neue EU-Laufnachweise speichern das Herausgeberdatum. Frühere Nachweise behalten ihre damalige Datumsgrundlage; sie werden nicht nachträglich geändert. Der aktuelle Audit-Export ergänzt die getrennten Quellenmetadaten. Fehlt bei einem älteren EU-Bestand ein belegter Herausgeberstand, bleibt die Frische unbekannt statt auf das jüngste Importdatum zurückzufallen.
Wo der Listenstand nicht hilft
Zwei Fragen beantwortet auch der aktuellste Listenstand nicht, und beide gehören zur Sorgfalt dazu.
Erstens die mittelbare Bereitstellung: Ein Geschäftspartner kann selbst ungelistet und trotzdem im Eigentum gelisteter Personen sein. Anteile mehrerer gelisteter Halter werden dafür addiert; die 50-Prozent-Marke steht nicht im Verordnungstext, sondern in den EU Best Practices des Rates und ist rechtlich nicht bindend. Kontrolle ist ein eigener, von der Höhe unabhängiger Anknüpfungspunkt und kann auch unter 50 Prozent vorliegen. Das Ergebnis ist eine widerlegbare Vermutung, kein Automatismus, und unter 50 Prozent gibt es keine Freigrenze.
Zweitens die Güter: Ob eine Ware gelistet ist, sagt kein Namensabgleich. Dafür steht die Einstufung nach der Dual-Use-Verordnung (EU) 2021/821 daneben, mit ihren eigenen Fragen und ihrer eigenen Dokumentation.
SanktionsRadar hält beides getrennt und protokolliert beides mit Datum. Ein Treffer ist ein Prüffall und keine automatische Sperrung: Entschieden wird in der dokumentierten Einzelprüfung, nicht im Abgleich.
Häufige Fragen
Gegen welche Listen wird geprüft?
Gegen tatsächlich geladene Daten der konsolidierten UN-Liste, der OFAC-SDN-Liste und der konsolidierten EU-Liste. Alle drei werden automatisch abgerufen. Das ist keine Prüfung sämtlicher Sanktionslisten.
Warum gehört der Listenstand in den Vermerk?
Weil ein Screening eine Aussage über einen Zeitpunkt ist. Ohne Datum und Listenstand lässt sich nachträglich nicht sagen, wogegen geprüft wurde. Bei einer Prüfung ist genau das die Frage.
Reicht es, wenn der Name nicht auf der Liste steht?
Nein. Ein Geschäftspartner kann selbst ungelistet und dennoch im Eigentum oder unter der Kontrolle gelisteter Personen stehen. Anteile mehrerer gelisteter Halter werden addiert; Kontrolle kann auch unterhalb von 50 Prozent vorliegen. Die 50-Prozent-Marke stammt aus den EU Best Practices und ist rechtlich nicht bindend.
Was heißt „kein Treffer“ genau?
Dass gegen den im Lauf verwendeten Listenstand kein Treffer bestand. Im Prüfvermerk verlangt dieses Ergebnis mindestens ein abweichendes Unterscheidungsmerkmal, damit die Entlastung nachvollziehbar ist und nicht auf einem Knopfdruck beruht.
Das Wichtigste in Kürze
Ein Screening beschreibt einen konkreten Lauf gegen konkrete Daten. UN, OFAC SDN und die EU-Liste werden automatisch abgerufen. Bei EU wird das Herausgeberdatum getrennt vom Importdatum geführt; ein erneuter Import derselben Datei macht den Inhalt nicht jünger.
Der Namensabgleich beantwortet weder die Frage nach mittelbarer Bereitstellung noch die nach der Güterlistung. Beides steht daneben und wird eigenständig dokumentiert.
- Verordnung (EU) Nr. 269/2014, konsolidierte Fassung
- UN-Sicherheitsrat – Konsolidierte Liste
- OFAC – Specially Designated Nationals List
- Verordnung (EU) 2021/821 – Dual-Use
- Europäische Kommission: konsolidierte Finanzsanktionsliste und amtliche Rechtsakte
- Europäische Kommission: öffentlicher FSF-RSS mit aktuellen Exportdateien
Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung. Ein Treffer ist ein Prüffall, keine automatische Sperrung – die dokumentierte Einzelprüfung bleibt Ihre Aufgabe.